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KI verschärft den Wettlauf zwischen Cyberangriffen und digitaler Abwehr

Künstliche Intelligenz macht Cyberangriffe schneller, skalierbarer und glaubwürdiger. Gleichzeitig hilft dieselbe Technologie Unternehmen und Behörden, verdächtige Aktivitäten früher zu erkennen und automatisiert darauf zu reagieren.

Titelbild zu: KI verschärft den Wettlauf zwischen Cyberangriffen und digitaler Abwehr
Bild: it-markt.ch

Das Wichtigste in Kürze

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • KI beschleunigt und personalisiert bekannte Formen von Cyberangriffen.
  • Texte, Bilder, Videos und Stimmen lassen sich für glaubwürdige Täuschungen erzeugen.
  • Wenige Sekunden Sprachmaterial können für eine realistische Stimmnachahmung genügen.
  • Starke Authentifizierung, klare Freigaben und geschulte Mitarbeitende werden wichtiger.
  • KI unterstützt zugleich Sicherheitssysteme bei der Erkennung verdächtiger Aktivitäten.

Key Facts

Überblick
Quelle
it-markt.ch
Veröffentlicht
11.10.2026, 11:00
Rubrik
Technologie
Schwerpunkte
Künstliche Intelligenz, Cyberangriffe & IT-Sicherheit, Digitalisierung & Verwaltung
Einschätzung (KI)
NeutralKI und Cybersicherheit
  1. Ausgangslage

    Künstliche Intelligenz verändert die Cybersicherheit auf beiden Seiten. Unternehmen und Behörden können damit ungewöhnliche Aktivitäten und verdächtige Muster schneller erkennen als mit rein manuellen Verfahren. Angreifer nutzen dieselben technischen Möglichkeiten, um bekannte Betrugsmethoden effizienter einzusetzen.

    Besonders deutlich zeigt sich das beim Social Engineering. Mit modernen KI-Werkzeugen lassen sich Texte in verschiedenen Sprachen, Bilder, Videos und Stimmen erzeugen. Schon wenige Sekunden einer Sprachaufnahme können nach Angaben des Bundesamts für Cybersicherheit BACS genügen, um eine Stimme realistisch nachzuahmen.

    Damit sinkt die Schwelle für glaubwürdige Täuschungsversuche. Angreifer können sich beispielsweise als Geschäftsleitung oder Behördenvertreter ausgeben und Mitarbeitende zu Zahlungen oder zur Herausgabe sensibler Informationen bewegen.

  2. Hintergrund

    Das Problem liegt weniger in völlig neuen Angriffsmethoden als in deren Beschleunigung. KI-Werkzeuge sind breit verfügbar und vergleichsweise einfach zu bedienen. Kriminelle können Angriffe automatisieren, stärker personalisieren und in grosser Zahl ausspielen.

    Damit gerät eine Grundannahme digitaler Kommunikation unter Druck: dass eine bekannte Stimme, ein plausibler Text oder eine vermeintlich vertraute Identität ausreichen, um dem Gegenüber zu vertrauen. Genau diese Signale lassen sich immer leichter imitieren.

    Organisationen müssen deshalb stärker auf überprüfbare Identitäten setzen. Das BACS nennt unter anderem starke Authentifizierungsverfahren, digitale Signaturen und klare Freigabeprozesse. Ebenso wichtig bleibt die Sensibilisierung von Mitarbeitenden für ungewöhnliche oder verdächtige Anfragen.

  3. Was das bedeutet

    Für Schweizer Unternehmen verschiebt sich der Schwerpunkt der Cyberabwehr damit weiter von der reinen Technik hin zu überprüfbaren Geschäftsprozessen. Eine technisch überzeugende Nachricht ist kein ausreichender Echtheitsnachweis mehr. Besonders bei Zahlungen, Änderungen von Bankverbindungen oder der Weitergabe vertraulicher Daten braucht es robuste Kontrollschritte.

    KI kann zugleich Teil dieser Schutzarchitektur sein. Sicherheitssysteme können auffällige Muster erkennen und Verantwortliche schneller auf mögliche Angriffe aufmerksam machen. Damit entsteht ein dauernder technologischer Wettlauf: Die Werkzeuge, mit denen Angreifer ihre Methoden verbessern, stehen grundsätzlich auch Verteidigern zur Verfügung.

    Das BACS informiert laufend über neue Angriffsmuster und Schutzmöglichkeiten. Verdächtige E-Mails, Websites und Betrugsversuche können der Behörde gemeldet werden. Solche Hinweise sollen helfen, neue Muster früh zu erfassen und weitere potenzielle Opfer zu warnen.

    Für KMU ist vor allem eine Konsequenz zentral: Vertrauen braucht einen zweiten Prüfkanal. Eine ungewöhnliche Zahlungsanweisung sollte nicht allein deshalb ausgeführt werden, weil Stimme, Schreibstil oder Absender überzeugend wirken. Rückfragen über bekannte Telefonnummern, geregelte Freigaben und Mehrfachkontrollen gewinnen an Bedeutung.

    Dabei muss Cyberabwehr nicht zwingend mit grosser technischer Infrastruktur beginnen. Klare Zuständigkeiten, definierte Abläufe und regelmässig geschulte Mitarbeitende erschweren erfolgreiche Täuschungsversuche erheblich. Gerade kleinere Firmen können damit verhindern, dass einzelne Personen unter Zeitdruck weitreichende Entscheidungen treffen.

    Gleichzeitig lohnt es sich, KI-basierte Sicherheitsfunktionen nüchtern zu prüfen. Sie können Erkennung und Reaktion beschleunigen, ersetzen aber weder Kontrolle noch Verantwortlichkeit.

    KI verschiebt den Schwerpunkt der IT-Sicherheit. Technische Schutzsysteme bleiben zentral, doch Firmen müssen stärker prüfen, wer tatsächlich hinter einer Nachricht oder Anweisung steht. Damit werden Identitätsprüfung und interne Freigabeprozesse zu einem festen Teil der Cyberabwehr.

    Für Schweizer KMU steigt das Risiko, dass täuschend echte Nachrichten oder Stimmen etablierte Kontrollmechanismen umgehen. Sinnvoll sind einfache, konsequent angewandte Regeln: sensible Zahlungen über einen zweiten Kanal bestätigen, Berechtigungen klar festlegen und Mitarbeitende regelmässig mit neuen Betrugsmethoden vertraut machen.

  4. Ausblick

    Der Einsatz von KI in der Cybersicherheit dürfte den Wettbewerb zwischen Angreifern und Verteidigern weiter beschleunigen. Digitale Inhalte werden überzeugender, während Sicherheitssysteme gleichzeitig leistungsfähiger darin werden, Auffälligkeiten zu erkennen.

    Für Unternehmen wird deshalb weniger entscheidend, ob ein Inhalt glaubwürdig aussieht. Entscheidend wird, ob Identität, Auftrag und Berechtigung überprüft werden können.

Dazu passt

Zahlen

Benötigtes Sprachmaterial für Stimmnachahmung
wenige Sekunden

Wissen zur Meldung

Die wichtigsten Fragen, Fachbegriffe und Stichworte – kurz erklärt.

Fragen und Antworten

Wie nutzen Angreifer künstliche Intelligenz?

Vor allem zur Automatisierung und Personalisierung bestehender Angriffsmethoden sowie zur Erzeugung glaubwürdiger Texte, Bilder, Videos und Stimmen.

Kann KI Unternehmen auch schützen?

Ja. Sicherheitssysteme können damit ungewöhnliche Aktivitäten und verdächtige Muster schneller erkennen und teilweise automatisiert reagieren.

Welche Schutzmassnahmen nennt das BACS?

Unter anderem starke Authentifizierung, digitale Signaturen, klare Freigabeprozesse und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden.

Begriffe

Social Engineering
Manipulation von Menschen mit dem Ziel, Zahlungen, Zugangsdaten oder vertrauliche Informationen zu erhalten.
Authentifizierung
Verfahren zur Überprüfung der Identität eines Nutzers oder Kommunikationspartners.
Digitale Signatur
Technisches Verfahren zur Prüfung von Herkunft und Unverändertheit digitaler Inhalte.
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Originaltitel: Digitales Vertrauen unter Druck: Wie KI die Cybersicherheit verändert