Volksabstimmung über Mindestlöhne: GAV gegen kantonale Regelungen
Die Schweiz steht vor einer wichtigen Abstimmung über die Beziehung zwischen Gesamtarbeitsverträgen und kantonalen Mindestlöhnen. Die Linke hat über 100'000 Unterschriften gegen die geplante Gesetzesänderung gesammelt.

Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die Schweiz stimmt 2027 über die Beziehung zwischen GAV und kantonalen Mindestlöhnen ab.
- Über 100'000 Unterschriften wurden gegen die geplante Gesetzesänderung gesammelt.
- Kritikerinnen und Kritiker befürchten, dass demokratische Entscheidungen auf kantonaler Ebene untergraben werden.
- Die Reform könnte die Lohnkosten für bestimmte Branchen erhöhen.
- Die Abstimmung wird voraussichtlich im Februar oder Juni 2027 stattfinden.
Key Facts
Überblick- Quelle
- SRF News – Wirtschaft
- Veröffentlicht
- 07.10.2026, 15:15
- Rubrik
- Politik
- Schwerpunkte
- Neue Vorschriften & Compliance, Gesundheitswesen unter Druck, Gastgewerbe & Tourismus
- Einschätzung (KI)
- NeutralDiskussion über Mindestlöhne
Ausgangslage
Die Schweizer Bevölkerung wird sich voraussichtlich im Februar oder Juni 2027 an der Urne zum Verhältnis zwischen Gesamtarbeitsverträgen (GAV) und kantonalen Mindestlöhnen äussern. Eine Initiative sammelte über 100'000 Unterschriften gegen die geplante Gesetzesänderung, die GAV Vorrang vor kantonalen Mindestlöhnen geben würde.
Die aktuelle Gesetzgebung erlaubt es, GAV allgemeinverbindlich zu erklären, sofern sie nicht gegen kantonale oder bundesrechtliche Bestimmungen verstossen. Die geplante Reform würde diese Regelung ändern, sodass GAV-Mindestlöhne kantonale Regelungen übersteuern könnten.
Die Initiative gegen die geplante Gesetzesänderung wurde von den Gewerkschaftsdachverbänden SGB und Travailsuisse, der SP und den Grünen getragen. Die Sammelfrist für die Unterschriften war erfolgreich abgeschlossen.
Dies könnte langfristig zu einer Stabilisierung der Lohnverhältnisse führen, da GAV oft umfassendere Regelungen enthalten als kantonale Mindestlöhne.
Hintergrund
Die Gesetzesänderung wurde sowohl vom Nationalrat als auch vom Ständerat mit deutlicher Mehrheit gutgeheissen. Die Gegner der Vorlage, darunter SP, Grüne, Mitte-Partei sowie die Gewerkschaftsdachverbände SGB und Travailsuisse, argumentieren, dass die Reform die demokratischen Entscheidungen auf kantonaler und kommunaler Ebene untergräbt.
Kritikerinnen und Kritiker befürchten, dass Zehntausende Arbeitnehmende, insbesondere in Branchen wie Gastgewerbe, Reinigung und Coiffeursalons, von bestehenden oder geplanten Mindestlöhnen ausgeschlossen würden. Besonders betroffen wären Frauen, da sie einen grossen Anteil der Geringverdienerinnen stellen.
Die Gegner der Vorlage argumentieren, dass die Reform die soziale Ungleichheit verschärfen könnte. Besonders betroffen wären Frauen und andere vulnerable Gruppen, die oft in Branchen mit tiefen Löhnen arbeiten.
Die Befürworter der Reform betonen, dass GAV nicht nur Löhne, sondern auch Arbeitsbedingungen regeln. Dies könnte zu einer höheren Arbeitszufriedenheit und Produktivität führen.
Was das bedeutet
Die Debatte spiegelt einen Konflikt zwischen bundesweiter Harmonisierung und kantonaler Autonomie wider. Die Reform könnte die direkte Demokratie auf kantonaler Ebene schwächen, da kantonale Mindestlöhne durch bundesweite GAV-Regelungen ersetzt würden.
Die Befürworter der Gesetzesänderung argumentieren, dass GAV mehr als nur Löhne regeln und somit einen umfassenderen Schutz bieten. Sie betonen die Bedeutung der Sozialpartnerschaft und die Notwendigkeit, gemeinsam ausgehandelte Verträge zu stärken.
Mindestlöhne verhindern, dass Steuerzahlende Arbeitgebende mit zu tiefen Löhnen indirekt über die Sozialhilfe subventionieren. Mindestlöhne verhindern, dass Steuerzahlende Arbeitgebende mit zu tiefen Löhnen indirekt über die Sozialhilfe subventionieren. Dies könnte zu einer Entlastung der öffentlichen Haushalte führen.
Einerseits könnten sie flexibler Löhne aushandeln, andererseits drohen höhere Kosten, wenn sie sich an allgemeinverbindliche GAV halten müssen.
Dies könnte zu einer Umverteilung der Lohnkosten führen und den Wettbewerb zwischen Unternehmen verändern.
Ausblick
Die Abstimmung wird voraussichtlich Ende Februar oder Anfang Juni 2027 stattfinden. Bis dahin wird der Bundesrat die Mehrheitsmeinung des Parlaments vertreten, während die Gegner der Reform weiterhin auf die demokratischen Entscheidungen auf kantonaler Ebene verweisen werden.
Dazu passt
Zahlen
- Unterschriften
- 100'000
- Nationalrat
- 115 zu 78 Stimmen bei 6 Enthaltungen
- Ständerat
- 23 zu 16 Stimmen bei 5 Enthaltungen
Wissen zur Meldung
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Originaltitel: Kampf für Mindestlöhne – Linke reicht über 100'000 Unterschriften gegen «Lohnangriff» ein



