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Schweizer Banken halten länger an Kernbankensystemen fest

Eine aktuelle Studie der Hochschule Luzern zeigt, dass zwei Drittel der Schweizer Banken ihre bestehenden Kernbankensysteme vorerst beibehalten wollen. Vor vier Jahren war die Wechselbereitschaft noch deutlich höher.

Titelbild zu: Schweizer Banken halten länger an Kernbankensystemen fest
Bild: finews.ch

Das Wichtigste in Kürze

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Zwei Drittel der Schweizer Banken wollen ihre Kernbankensysteme auch in zehn Jahren behalten.
  • Vor vier Jahren planten 68 Prozent der Banken einen Systemwechsel bis 2032.
  • Etablierte Anbieter wie Avaloq und Finnova haben Fortschritte bei der Kundenorientierung und Transparenz gemacht.
  • Internationale Lösungen scheiterten oft an den spezifischen Anforderungen des Schweizer Bankgeschäfts.
  • Generative KI könnte den Markt erneut verändern und neue Wettbewerbsdynamiken schaffen.

Key Facts

Überblick
Quelle
finews.ch
Veröffentlicht
12.10.2026, 09:59
Rubrik
Finanzen
Schwerpunkte
Neue Vorschriften & Compliance, Digitalisierung & Verwaltung, Künstliche Intelligenz
Einschätzung (KI)
NeutralIT-Entscheidung im Bankensektor
  1. Ausgangslage

    Vor vier Jahren planten viele Schweizer Banken, ihre Kernbankensysteme in den nächsten Jahren zu ersetzen. Die Hochschule Luzern hat eine neue Untersuchung veröffentlicht. Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) steht dahinter. Darin geht es um die Einstellung von Banken. Die Studie zeigt eine wesentliche Wandlung auf. Rund zwei Drittel der befragten Banken wollen ihre bestehenden Systeme auch in zehn Jahren weiterhin nutzen.

    Die Studie «Kernbankensysteme 2026» des IFZ wurde am 27. Oktober in Zürich vorgestellt und ist ab dem 28. Oktober öffentlich zugänglich. Sie basiert auf einer Vergleichsanalyse von Befragungen aus den Jahren 2022 und 2026. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Wandel in der Haltung der Schweizer Banken gegenüber ihren Kernbankensystemen.

  2. Gründe für den Wandel

    Die Skepsis gegenüber den bestehenden Systemen war zuvor gross. Die Banken äusserten Kritik an hohen Kosten, veralteten technischen Architekturen und langsamen Entwicklungszyklen. Besonders monolithische Systeme, bei denen zentrale Funktionen eng miteinander verknüpft sind, galten als Hindernis für die Einführung neuer digitaler Angebote.

    Heute beurteilen die Banken die Lage positiver. Die etablierten Anbieter Avaloq und Finnova haben nach Einschätzung der Studienautoren Fortschritte erzielt. Die etablierten Anbieter haben nach Einschätzung der Studienautoren Fortschritte erzielt, indem sie die Bedürfnisse ihrer Kunden besser berücksichtigen und ihre technologischen Entwicklungspläne transparenter gestalten.

    Die verbesserte Zufriedenheit der Banken mit den bestehenden Systemen ist auch auf die Fortschritte der Anbieter zurückzuführen. Avaloq und Finnova haben ihre Systeme weiterentwickelt und bieten nun mehr Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Dies hat die Skepsis der Banken gegenüber den bestehenden Systemen verringert.

  3. Herausforderungen für neue Anbieter

    Die erhofften Alternativen sind weitgehend ausgeblieben. Internationale Lösungen müssen den spezifischen regulatorischen, steuerlichen und betrieblichen Anforderungen des Schweizer Bankgeschäfts entsprechen. Mehrere Projekte scheiterten laut IFZ an diesen Anforderungen.

    Die sogenannten monolithischen Systeme, die zentralisierte Funktionen aufweisen, sind besonders schwierig zu ersetzen. Neue Anbieter müssen nicht nur technologische Hürden überwinden, sondern auch die spezifischen regulatorischen Anforderungen des Schweizer Marktes erfüllen. Dies hat viele internationale Projekte scheitern lassen.

  4. Zukunftsperspektiven

    Die Verfasser der Untersuchung betonen indessen, dass man die erhöhte Zufriedenheit nicht als langfristige Sicherheit für die bestehenden Anbieter betrachten solle. Generative KI könnte den Markt erneut grundlegend verändern. KI-Werkzeuge ermöglichen eine schnellere Analyse, Neuprogrammierung und Testung bestehender Softwarearchitekturen.

    Generative KI könnte die Entwicklung und Implementierung neuer Kernbankensysteme erheblich beschleunigen. Dies könnte die Marktlandschaft verändern und neue Wettbewerbsdynamiken schaffen. Banken könnten in Zukunft schneller und kostengünstiger eigene Systeme entwickeln oder bestehende Systeme modernisieren.

  5. Auswirkungen auf den Markt

    KI könnte grössere Finanzinstitute dazu veranlassen, erneut über die Entwicklung eigener Kernbankensysteme nachzudenken. Gleichzeitig könnte künstliche Intelligenz den bestehenden Anbietern dabei unterstützen, ihre Systeme in kürzerer Zeit zu erneuern. Neue Konkurrenten könnten ebenfalls Vorteile haben, da die technologischen und finanziellen Barrieren für den Eintritt möglicherweise niedriger werden.

    Künstliche Intelligenz könnte nicht nur den bestehenden Anbietern dabei unterstützen, ihre Systeme rascher zu aktualisieren, sondern ebenfalls neuen Konkurrenten den Zugang zum Markt vereinfachen. Dies könnte zu einer vielfältigeren Marktlandschaft führen, in der sowohl etablierte Anbieter als auch neue Player erfolgreich agieren können.

  6. Fazit

    Avaloq, Finnova und weitere etablierte Anbieter haben heute eine stabilere Position als noch vor vier Jahren. Langfristig könnte KI ausgerechnet diese neu gewonnene Sicherheit infrage stellen.

  7. Was das bedeutet

    Kernbankensysteme sind die zentrale Software, die alle bankinternen Prozesse steuert. Sie sind entscheidend für die Stabilität und Effizienz der Bankgeschäfte. Die Entscheidung, ein bestehendes System beizubehalten oder zu wechseln, hat weitreichende Auswirkungen auf die operative Flexibilität und die Kostenstruktur einer Bank.

    Für Schweizer KMU im Bankensektor bedeutet dies, dass sie vorerst mit den bestehenden Systemen planen können. Langfristig könnte jedoch die Entwicklung generativer KI neue Möglichkeiten und Herausforderungen mit sich bringen, die eine kontinuierliche Beobachtung des Marktes erfordern.

Dazu passt

Zahlen

Anteil der Banken, die 2022 einen Wechsel bis 2032 planten
68 %

Wissen zur Meldung

Die wichtigsten Fragen, Fachbegriffe und Stichworte – kurz erklärt.

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Originaltitel: Schweizer Banken wollen ihre Kernbankensysteme plötzlich behalten