Waadt bevorzugt Epic-System für Spitäler trotz Kritik
Der Waadtländer Grosse Rat hat die Einführung des Klinikinformationssystems Epic genehmigt. Die Regierung begründet die Entscheidung mit besseren Integrationsmöglichkeiten und einfacherer Einführbarkeit. Kritiker bemängeln jedoch die langfristige Abhängigkeit von einem US-Anbieter.

Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Der Waadtländer Grosse Rat hat die Einführung des Klinikinformationssystems Epic genehmigt.
- Die Regierung begründet die Entscheidung mit besseren Integrationsmöglichkeiten und einfacherer Einführbarkeit.
- Kritiker bemängeln die langfristige Abhängigkeit von einem US-Anbieter.
- Die Summe der Ausgaben beträgt weiterhin 207,6 Millionen Franken.
- Die Einführung des Systems wird voraussichtlich zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.
Key Facts
Überblick- Quelle
- it-markt.ch
- Veröffentlicht
- 12.10.2026, 12:35
- Rubrik
- Technologie
- Region
- Waadt
- Schwerpunkte
- Gesundheitswesen unter Druck, Neue Vorschriften & Compliance
- Quellen
- 2 berichten darüber
- Einschätzung (KI)
- NeutralIT-Entscheidung im Gesundheitswesen
Ausgangslage
Der Grosse Rat des Kantons Waadt hat im September 2026 die Einführung von Epic als Klinikinformationssystem für das Universitätsspital Lausanne sowie elf weitere Spitäler bewilligt. Die Entscheidung fiel trotz Kritik an der langfristigen Abhängigkeit von einem US-Anbieter.
Die Regierung argumentiert, dass Epic gegenüber dem DPI+ der Genfer Universitätsspitäler Vorteile in Bezug auf Integrationsgrad und Einführbarkeit bietet.
Die Entscheidung des Waadtländer Grossen Rats betrifft nicht nur die technische Ausstattung der Spitäler, sondern auch deren finanzielle Planung. Die Gesamtkosten von 207,6 Millionen Franken verteilen sich auf verschiedene Posten, darunter Lizenzen, Dienstleistungen, den Investitionskredit für das CHUV, die Staatsgarantie für die elf weiteren Spitäler und die Umsetzung des Projekts. Die Finanzierung wurde angepasst, um die zusätzlichen Anforderungen an Datensouveränität und Datenschutz zu berücksichtigen.
Hintergrund
Die Beschaffung eines neuen Klinikinformationssystems beschäftigt den Kanton Waadt seit 2024. Der Genfer Softwarehersteller Kheops hatte sich gegen die Ausschreibung gewehrt und den Streit bis vor Bundesgericht getragen. Das Bundesgericht lehnte 2025 die Beschwerden ab und ermöglichte so die Weiterführung der Beschaffung.
Im November 2025 erhielten das CHUV und die beteiligten Waadtländer Spitäler den Zuschlag für Epic. Die Vergabe stand jedoch unter dem Vorbehalt der Bewilligung der nötigen Mittel durch den Grossen Rat.
Was das bedeutet
Die Abhängigkeit von US-Anbietern und die damit verbundenen Datenschutzbedenken sind in der Schweiz ein sensibles Thema.
Der US Cloud Act könnte US-Technologieunternehmen unter bestimmten Umständen dazu verpflichten, Daten an US-Behörden herauszugeben. Die Projektbefürworter heben hervor, dass die Gesundheitsdaten in der Schweiz gespeichert werden sollen.
Die Diskussion um die Einführung von Klinikinformationssystemen in der Schweiz ist auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung des Gesundheitswesens zu sehen. Die schweizweite Einführung des elektronischen Patienten- beziehungsweise Gesundheitsdossiers (EPD/EGD) stellt hohe Anforderungen an die Interoperabilität und Datensicherheit.
Unternehmen sollten sich bewusst sein, dass die Einführung eines neuen Klinikinformationssystems nicht nur technische, sondern auch rechtliche und politische Herausforderungen mit sich bringt.
Chancen und Risiken der Epic-Implementierung
Die Einführung des Epic-Systems bietet den Waadtländer Spitälern die Chance, ihre IT-Infrastruktur zu modernisieren und die Effizienz der Patientenversorgung zu steigern. Die integrierte Lösung verspricht eine bessere Vernetzung der verschiedenen Funktionsgruppen und eine Reduktion des Bedarfs an Anwendungen von Drittanbietern. Dies könnte langfristig zu Kosteneinsparungen und einer verbesserten Datenqualität führen.
Allerdings birgt die Entscheidung auch Risiken. Die langfristige Abhängigkeit von einem US-Anbieter könnte zu Abhängigkeiten führen, die schwer zu lösen sind. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die Einführung des Systems länger hinzieht als geplant oder dass unerwartete Kosten entstehen. Die Spitäler müssen sicherstellen, dass sie die notwendigen Ressourcen für die Implementierung und Wartung des Systems bereitstellen können.
Offene Fragen und nächste Schritte
Trotz der Genehmigung des Grossen Rats bleiben einige Fragen offen. Wie wird sichergestellt, dass die Gesundheitsdaten der Patienten ausreichend geschützt sind und nicht in die Hände von US-Behörden gelangen? Welche Massnahmen werden ergriffen, um die Datensouveränität zu gewährleisten und die Compliance mit schweizerischen Datenschutzvorschriften zu sichern?
Die betroffenen Spitäler müssen nun die nächsten Schritte der Implementierung des Systems planen. Dies umfasst die Schulung des Personals, die Anpassung der bestehenden Prozesse und die Sicherstellung, dass das neue System reibungslos in den Betrieb übernommen werden kann. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Spitälern, dem Kanton und dem Softwareanbieter wird entscheidend sein, um die erfolgreiche Einführung des Epic-Systems zu gewährleisten.
Ausblick
Die Einführung des Epic-Systems in den Waadtländer Spitälern wird voraussichtlich zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Die langfristigen Auswirkungen der Entscheidung, insbesondere in Bezug auf Datenschutz und die Abhängigkeit von einem US-Anbieter, bleiben abzuwarten.
Es ist zu erwarten, dass die Diskussion über die Einführung von Klinikinformationssystemen in der Schweiz weitergehen wird, insbesondere im Hinblick auf die Balance zwischen technologischen Vorteilen und Datenschutzbedenken.
Dazu passt
Zahlen
- Gesamtkosten
- 207,6 Millionen Franken
- Anteil des Kantons
- 113 Millionen Franken
- Investitionskredit für das CHUV
- 62,5 Millionen Franken
- Staatsgarantie für die elf weiteren Spitäler
- 32 Millionen Franken
Wissen zur Meldung
Die wichtigsten Fragen, Fachbegriffe und Stichworte – kurz erklärt.
Fragen und Antworten
Warum hat der Waadtländer Grosse Rat das Epic-System genehmigt?
Die Regierung begründet die Entscheidung mit dem Integrationsgrad und der Einführbarkeit der Lösung.
Welche Kritik gibt es an der Entscheidung?
Kritiker bemängeln die langfristige Abhängigkeit von einem US-Anbieter über mindestens 15 Jahre und die damit verbundenen Datenschutzbedenken.
Wie lange wird die Einführung des Systems voraussichtlich dauern?
Die Einführung des Epic-Systems in den Waadtländer Spitälern wird voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Begriffe
- Klinikinformationssystem (KIS)
- Ein System, das zur Verwaltung und Dokumentation von Patientendaten in Spitälern verwendet wird.
- US Cloud Act
- Ein US-Gesetz, das US-Technologieunternehmen unter bestimmten Voraussetzungen dazu verpflichten kann, Daten an US-Behörden herauszugeben.
- Datensouveränität
- Die Fähigkeit eines Staates oder einer Organisation, die Kontrolle über seine Daten zu behalten.
Auch berichtet von
Originaltitel: Update: Warum der Kanton Waadt Epic gegenüber der Genfer Spitallösung bevorzugt



