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Walliser Privatschule lässt KI Prüfungen bewerten und kommentieren

Die École Ardévaz in Sitten setzt seit diesem Schuljahr künstliche Intelligenz für die Korrektur von Prüfungen ein. Lehrpersonen können die Resultate kontrollieren, bevor Noten und Rückmeldungen freigegeben werden.

Titelbild zu: Walliser Privatschule lässt KI Prüfungen bewerten und kommentieren
Bild: it-markt.ch

Das Wichtigste in Kürze

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Die École Ardévaz in Sitten setzt seit Beginn des Schuljahres Profassist für die Korrektur von Prüfungen ein.
  • Musterlösungen und Bewertungsskalen der Lehrpersonen bilden die Grundlage für Punkte, Noten und Kommentare.
  • Lehrpersonen können die von der KI erstellten Ergebnisse vor der Freigabe überprüfen.
  • Die Schule hatte das System im Juni 2026 getestet und bereits 2023 einen KI-Lernassistenten eingeführt.
  • Der Kanton Waadt interessiert sich für KI im Bildungsbereich, schliesst eine KI-basierte Prüfungskorrektur derzeit aber aus.

Key Facts

Überblick
Quelle
it-markt.ch
Veröffentlicht
12.10.2026, 17:44
Rubrik
Technologie
Region
Waadt, Wallis
Schwerpunkte
Künstliche Intelligenz, Digitalisierung & Verwaltung
Quellen
2 berichten darüber
Einschätzung (KI)
NeutralKI in der Bildung
  1. Ausgangslage

    An der École Ardévaz in Sitten übernimmt künstliche Intelligenz einen Teil einer Aufgabe, die bisher weitgehend bei den Lehrpersonen lag: das Korrigieren von Prüfungen. Die Walliser Privatschule setzt seit Beginn des laufenden Schuljahres die Plattform Profassist ein. Das System bewertet Prüfungsarbeiten, vergibt Punkte und Noten und erstellt Kommentare für die Schülerinnen und Schüler.

    Die KI arbeitet dabei nicht ohne Vorgaben. Lehrpersonen stellen Musterlösungen und Bewertungsskalen bereit, auf deren Basis Profassist die eingereichten Arbeiten beurteilt. Das System kann zusätzlich individuelle Empfehlungen formulieren, die auf Wissenslücken der einzelnen Schülerinnen und Schüler eingehen sollen. Die letzte Kontrolle bleibt bei den Lehrpersonen: Sie können die Ergebnisse prüfen, bevor die Korrekturen freigegeben werden.

  2. Hintergrund

    Die Schule hatte Profassist bereits im Juni 2026 getestet. Anschliessend führte sie die Plattform mit Zustimmung der Lehrpersonen, der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern ein. Für die École Ardévaz ist der Einsatz künstlicher Intelligenz im Unterricht kein völliges Neuland. Bereits 2023 führte die Privatschule einen KI-basierten Lernassistenten ein, der insbesondere bei der Vorbereitung auf die Maturität eingesetzt wird.

    Generaldirektor Alexandre Moulin verbindet mit der automatisierten Prüfungskorrektur zwei Ziele. Einerseits soll sie Lehrpersonen Arbeit abnehmen. Andererseits sollen Bewertungskriterien möglichst einheitlich angewendet werden. Profassist erstellt ausserdem Statistiken zu Schwierigkeiten der Lernenden. Lehrpersonen erhalten damit zusätzliche Informationen darüber, in welchen Bereichen Unterstützung nötig sein könnte.

    Der Fall zeigt damit eine weitergehende Form des KI-Einsatzes als das blosse Erstellen von Texten oder Unterrichtsmaterialien. Eine Bewertung kann direkte Folgen für Schülerinnen und Schüler haben. Gerade deshalb ist entscheidend, wie klar die Kriterien definiert sind, wie Ergebnisse kontrolliert werden und wer am Ende die Verantwortung für eine Note trägt.

  3. Was das bedeutet

    Das Experiment in Sitten findet bereits ausserhalb des Wallis Beachtung. Verantwortliche der École Ardévaz und Vertreter der obligatorischen Schulbildung des Kantons Waadt planen ein Treffen. Der Kanton prüft KI allerdings mit einer deutlich engeren Zielsetzung: Im Vordergrund stehen mögliche Erleichterungen bei administrativen Aufgaben. Eine KI Prüfungen korrigieren zu lassen, kommt für das Waadtländer Bildungsdepartement derzeit nicht infrage.

    Damit werden zwei unterschiedliche Ansätze sichtbar. Die Walliser Privatschule setzt KI direkt in einem Prozess ein, der pädagogisches Urteil berührt. Die Waadtländer Behörden ziehen vorerst Anwendungen in Betracht, bei denen administrative Entlastung im Zentrum steht. Für die weitere Verbreitung solcher Systeme dürfte diese Unterscheidung wichtig werden.

    Auch wirtschaftlich ist der Fall interessant. KI wird häufig zuerst dort eingesetzt, wo viele ähnliche Arbeitsschritte anfallen und klare Vorgaben formuliert werden können. Prüfungskorrekturen erfüllen einen Teil dieser Voraussetzungen: Musterlösungen, Punktesysteme und Bewertungsskalen liefern dem System einen Rahmen. Schwieriger wird es dort, wo Antworten Interpretationsspielraum lassen oder qualitative Urteile verlangen.

    Für Schweizer Unternehmen bietet das Beispiel aus Sitten eine praktische Parallele. Automatisierung funktioniert besonders dann nachvollziehbar, wenn ein Prozess klare Regeln besitzt und Menschen die Resultate kontrollieren können. Das gilt etwa für standardisierte Dokumentenprüfungen, interne Auswertungen oder erste Klassifizierungen von Anfragen. Die Technik ersetzt damit nicht automatisch die verantwortliche Person.

    Gerade für KMU ist dieser Punkt zentral. Ein KI-System kann repetitive Arbeit verkürzen, doch die Qualität hängt von den Vorgaben, den Ausgangsdaten und den Kontrollmechanismen ab. Wer einen schlecht definierten Prozess automatisiert, erhält nicht zwingend einen besseren Prozess. Bei Entscheidungen mit Folgen für Kunden, Mitarbeitende oder Geschäftspartner braucht es deshalb eine klar geregelte menschliche Prüfung.

    Das Walliser Modell zeigt zugleich einen möglichen Weg für Pilotprojekte. Die Schule testete Profassist zunächst und führte die Plattform danach mit Zustimmung der direkt Betroffenen ein. Für Unternehmen lässt sich daraus keine allgemeingültige Vorgehensweise ableiten. Der Fall macht aber sichtbar, dass technische Einführung, Akzeptanz und Verantwortlichkeiten zusammengehören.

    Der Einsatz in Sitten verschiebt die Diskussion über KI im Bildungsbereich von Lernhilfen hin zu formellen Bewertungsprozessen. Besonders relevant ist dabei die Arbeitsteilung: Die KI erstellt die Bewertung, die Lehrperson behält die Möglichkeit zur Kontrolle und Freigabe.

    Für Schweizer KMU liefert der Fall ein anschauliches Beispiel für kontrollierte Automatisierung. KI eignet sich vor allem für klar strukturierte Prozesse mit definierten Kriterien; bei Entscheidungen mit konkreten Folgen sollte die Verantwortung bei einer nachvollziehbar bestimmten Person bleiben.

  4. Ausblick

    Noch handelt es sich um den Einsatz an einer einzelnen Privatschule. Ob ähnliche Systeme an weiteren Schweizer Schulen übernommen werden, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten. Das Interesse aus der Waadt zeigt jedoch, dass die Erfahrungen aus Sitten über den eigenen Schulbetrieb hinaus beobachtet werden.

    Entscheidend dürfte weniger die Frage sein, ob KI überhaupt bei Prüfungen eingesetzt werden kann. Spannender ist, welche Aufgaben Schulen tatsächlich delegieren wollen und wo das menschliche Urteil verbindlich bleibt. In Sitten kontrollieren die Lehrpersonen die Resultate weiterhin vor der Freigabe. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Automatisierung und Verantwortung wird sich die Debatte weiterentwickeln.

Dazu passt

Zahlen

Test von Profassist
Juni 2026
Einführung des früheren KI-Lernassistenten
2023

Wissen zur Meldung

Die wichtigsten Fragen, Fachbegriffe und Stichworte – kurz erklärt.

Fragen und Antworten

Welche Aufgabe übernimmt die KI an der École Ardévaz?

Profassist bewertet Prüfungsarbeiten, vergibt Punkte und Noten, erstellt Kommentare und kann individuelle Empfehlungen formulieren.

Entscheidet die KI allein über die Noten?

Die Lehrpersonen können die von Profassist erstellten Ergebnisse überprüfen, bevor sie die Korrekturen freigeben.

Seit wann nutzt die Schule KI?

Einen KI-basierten Lernassistenten führte die École Ardévaz bereits 2023 ein. Profassist wurde im Juni 2026 getestet und seit Beginn des laufenden Schuljahres eingesetzt.

Plant der Kanton Waadt ebenfalls KI-Korrekturen?

Der Kanton interessiert sich für KI zur Entlastung bei administrativen Aufgaben, schliesst eine KI-basierte Korrektur von Prüfungen derzeit aber aus.

Begriffe

Profassist
KI-Plattform, die an der École Ardévaz zur Bewertung und Kommentierung von Prüfungsarbeiten eingesetzt wird.
Bewertungsskala
Von Lehrpersonen festgelegte Kriterien, anhand derer Leistungen beurteilt und Punkte beziehungsweise Noten vergeben werden.
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Originaltitel: Walliser Privatschule korrigiert Prüfungen mit KI